Migranten und Ehrenamt

Am 15. Dezember 2012 trafen sich Vertreter der Laienmusik und des Musiklebens in Deutschland sowie weitere Einzelpersonen aus verschiedenen Sparten und Fachrichtungen, um gemeinsam unter dem Aspekt "Migranten und Ehrenamt" im Rahmen der Initiative "Integration durch Musik" zu beraten und Handlungsempfehlungen zu diskutieren.

 

 

In seinem Eröffnungsvortrag wies BDO-Geschäftsführer Overbeck an Hand von verschiedenen Zahlenbeispielen und Statistiken darauf hin, dass Migranten sich zwar engagieren, es den Musikvereinen allerdings noch nicht gelingt, dieses Potential zu nutzen. Viele Migranten wollen sich gerne freiwillig engagieren - auf Platz 2 der gewünschten Bereiche: Bereich Musik/Kultur - finden aber keine entsprechenden Angebote. Overbeck betonte, dass die Diskussion kein abstaktes, akademisches Problem darstelle, sondern es bereits heute Realität ist, dass jedes dritte, minderjährige Kind in Deutschland einen Migrationshintergrund hat.

Dass dabei gleichzeitig die Bevölkerungszahlen in dieser Altersgruppe zurückgehen, verschärft die Problematik für die Musikvereine: Wenn Migranten nicht für den Nachwuchs und ehrenamtliches Engagement gewonnen werden können, sind die Musikvereine mangels Masse demnächst vom Aussterben bedroht. In dem Vortrag wurde gleichzeitig deutlich, auf welche Weise Menschen mit Migrationshintergrund am ehesten motiviert werden können und welche Hürden es dabei zu bewältigen gibt.

 

Im Anschluss daran berichteten Johannes Kieffer und Mehmet Ungang von der Orientalischen Musikakademie Mannheim über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus ihrer tagtäglichen Arbeit. Sie verdeutlichten, dass Kooperation auf Augenhöhe und höfliche Hartnäckigkeit die besten Methoden sind, Menschen verschiedenster Art nachhaltig für gemeinsame Projekte zu begeistern.

 

Abschließend präsentierte Frau Prof. Dr. Keuchel die Ergebnisse des 1. InterKulturBarometers. Diese empirische Studie wurde 2011 vom Zentrum für Kulturforschung durchgeführt und mit Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen realisiert. Dabei suchte das Zentrum für Kulturforschung nach Antworten auf Fragen wie etwa: Welcher Kultur fühlen sich die heute in Deutschland lebenden Menschen verbunden? Sehen sie sich eher als Teil einer deutschen, einer "fremden" oder einer "gemischten", z.B. deutsch-türkischen oder europäischen Lebenskultur? Welche eigenständigen kulturellen Erfahrungen prägen sie und existieren dennoch Gemeinsamkeiten mit Menschen anderer Herkunft? Frau Prof. Dr. Keuchel präsentierte die Ergebnisse, wobei die Unterschiede in der Einstellung zwischen der 1. und der 3. Generation der Migranten, aber auch der Vergleich gegenüber der gleichaltrigen "einheimischen" Gruppe weitere Untersuchungen verdienen.

 

Höhepunkt der Veranstaltung war eine lebhafte Diskussion über verschiedene Empfehlungen, welche den Musikvereinen an der Basis erfolgreiches Handeln ermöglichen sollen. Die Ergebnisse der Diskussion sowie die Erläuterung der Vorträge werden im Frühjahr 2013 in gedruckter (mehrsprachiger) Form bei der BDO zu erhalten sein.