Musikhochschule Trossingen: Amateurmusizieren profitiert

Die Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO) hat eine qualitative Untersuchung zu den Zusammenhängen zwischen Musikhochschule Trossingen und dem Amateurmusizierbereich durchgeführt. Zentrale Erkenntnis: Die Musikhochschule bindet hervorragend ausgebildete Fachkräfte in der Region, wodurch die Qualität des Amateurmusizierens nachhaltig erhöht wird.

„Die Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände setzt sich dafür ein, dass die Verbindungen zwischen der Musikhochschule Trossingen und dem Amateurmusizieren stärker in der aktuellen Diskussion berücksichtigt werden“ - so Ernst Burgbacher, Präsident der BDO. „Es singen und musizieren ca. 8 Millionen Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit. Dabei entfallen allein auf Baden-Württemberg bereits 18 Prozent, also knapp 1,5 Millionen Menschen.“ Dabei, stellt BDO-Präsident Burgbacher weiter fest, sei Baden-Württemberg bundesweit nicht nur für die Masse sondern vor allem auch für die hohe Qualität des Amateurmuszierens bekannt. So stellte Baden-Württemberg z.B. in den letzten Jahren die meisten Bundespreisträger (38%!) im Wettbewerb „Jugend musiziert“, über 20% aller kommunalen Musikschulen Deutschlands befinden sich in Baden-Württemberg und nahezu 40 Gymnasien bieten ein Musikprofil an. Dass diese Spitzenposition als Musikland Nr. 1 auch in einem Zusammenhang mit der besonderen Struktur von fünf Musikhochschulen innerhalb des Bundeslandes gesehen werden muss, ist naheliegend. Insbesondere bei der Musikhochschule Trossingen, der bundesweit einzigen Musikhochschule im ländlichen Raum, ist von einer besonders starken Breitenwirkung in den Amateurbereich auszugehen, dies wurde bisher aber nicht wissenschaftlich untersucht.

Die teilnehmenden Vereine verteilen sich über das gesamte Land Baden-Württemberg, dabei wird ein deutlicher Schwerpunkt auf den Postleitzahlbereichen 78xxx und 88xxx erkennbar. 30% der Vereine geben an, dass mindestens ein aktives oder ehemaliges Mitglied an der Musikhochschule Trossingen studiere bzw. studiert habe. Dabei stellen die Postleitzahlbereich 78xxx und 88xxx, fast zwei Drittel dieser Gruppe. Die Musikhochschule Trossingen ist also offensichtlich für die direkt in der Region ansässigen Musikvereine eine sehr attraktive Ausbildungsstätte.

Dass Studenten oder Absolventen der Musikhochschule Trossingen bei ihnen unterrichteten, geben 47% der Vereine an. Die Vereine profitieren dabei von der künstlerischen und pädagogischen Qualität der Studierenden. Diese hingegen haben die Möglichkeit bei den Vereinen praxisbezogen Erfahrungen zu sammeln, persönliche Netzwerke aufzubauen und nicht zuletzt auch das Studium zu finanzieren. Da die Umfrage nur an die Musikvereine gerichtet war, ist der Musikschulbereich mit noch größerer Ausbildungswirkung nicht einmal abgebildet doch trotzdem lässt sich hier bereits erkennen, dass ein Zugewinn in der Fläche besteht, da die Musikhochschule Trossingen mehr Vereine mit Ausbildern und Lehrkräften versorgt, als Vereine Mitglieder an die Musikhochschule Trossingen „entsenden“

Noch deutlicher wird dieser positive Effekt bei den Dirigenten und stellvertretenden Dirigenten der Musikvereine. Bei über der Hälfte der Vereine (53%) ist dies nämlich ein Student oder Absolvent der Musikhochschule Trossingen. Ein gutes Drittel dieser Vereine ist im Postleitzahlenbereich 78xxx angesiedelt, ein weiteres Drittel verteilt sich auf die Bereiche 77xxx und 79xxx bis 89xxx und etwa ein Viertel ist gleichmäßig in den Bereichen 71xxx bis 75xxx zu finden. Der gemeldete Anteil von Trossinger Dirigenten in der Region mit den Postleitzahlen von 68xxx bis 70xxx ist hingegen deutlich geringer.

Die an der Musikhochschule ausgebildeten Dirigenten verhelfen dabei dem gesamten Amateurbereich nachhaltig zu mehr Qualität. Durch die bereits während des Studiums erlangten Kenntnisse der Ansprüche und Bedürfnisse der in der Region aktiven Musikvereine sind die in Trossingen ausgebildeten Dirigenten und Multiplikatoren ein äußerst wichtiger Baustein, dem Musikland Baden-Württemberg auch weiterhin die Qualität in der Breite zu erhalten, durch welche die bundesweit beachtete Spitzenqualität überhaupt erst ermöglich wird. Bei der Weiterentwicklung der Musikhochschullandschaft muss dieser Aspekt daher unbedingt berücksichtigt werden.