Bürgerschaftliches Engagement in ländlichen Räumen

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Im Bewusstsein der Besonderheiten des ländlichen Raums hat die BDO seit über 60 Jahren ihren Sitz in Trossingen: um nah bei den Menschen zu sein, für die wir uns einsetzen. Denn überdurchschnittlich viele Musikvereine sind im ländlichen Raum zuhause.

Auch der Deutsche Freiwilligen Survey 2014 ist der Frage nach Unterschieden im freiwilligen Engagement zwischen ländlichen Räumen und Großstädten nachgegangen.


Das bereits in den früheren Freiwilligensurveys festgestellte stärker ausgeprägte Engagement der Bevölkerung in ländlichen Räumen wird in der aktuellen Untersuchung erneut bestätigt. Dieser Befund stimmt insbesondere im Vergleich zwischen Ballungsräumen (39% freiwillig Engagierte in den kreisfreien Großstädten) und allen anderen Kreistypen (mit jeweils 45-46%). Als mögliche Ursache vermuten die Autoren, dass es in ländlichen Regionen „möglicherweise einen größeren Bedarf, eine stärkere Förderung oder eine höhere Zahl von Gelegenheiten [gibt], sich freiwillig neben Beruf und Familie zu engagieren, als dies in städtischen Regionen der Fall ist.“ Darüber hinaus ist in ländlichen Räumen ein Unterschied in der Beteiligung von Männern (49%) und Frauen (42%) auffällig. In Bezug auf die Altersgruppen sind in ländlichen Räumen Jüngere (bis 64 Jahren) etwas stärker, Ältere (ab 65 Jahren) etwas geringer als die städtischen Vergleichsgruppen engagiert. Das Land-Stadt-Gefälle ist unabhängig vom Bildungsgrad: Alle Bildungsgruppen in ländlichen Räumen engagieren sich in höherem Maße als die gleichen Gruppen in einem (groß)städtischen Kontext.

Im Ergebnis der Untersuchung weisen die Forscherinnen und Forscher auf den strukturellen Wandel und die Vielfältigkeit des Engagements sowie die hohe Engagementbereitschaft in der Bevölkerung – unabhängig von konkreten sozialräumlichen Gegebenheiten – hin. Sie betonen außerdem, dass sich im Vergleich der verschiedenen Freiwilligensurveys seit 1999 zwar mehr Menschen engagieren, dabei aber weniger Zeit investieren und seltener eine Leitungsfunktion übernehmen. Stattdessen gewinnt selbstorganisiertes Engagement an Bedeutung. Am häufigsten kommen die Aktivitäten Kindern und Jugendlichen zugute. Auch viele Menschen, die sich aktuell nicht engagieren, sind zu einer freiwilligen Tätigkeit bereit, doch wird Zeitknappheit als häufigster Grund genannt, sich aktuell nicht zu engagieren.

 

Der nach 1999 mittlerweile vierte Freiwilligensurvey im Jahr 2014 untersuchte freiwillige, gemeinwohlorientierte, nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtete, im öffentlichen Raum stattfindende und meist gemeinschaftlich ausgeübte Aktivitäten. Über Ehrenamt, Selbsthilfe, Freiwilligenarbeit sowie Tätigkeiten in selbstorganisierten Initiativen und Projekten hinaus wurden durch das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) in Zusammenarbeit mit dem Befragungsinstitut infas 2014 auch informelle Unterstützungsleistungen für Nachbarn, Verwandte und Freunde erhoben.

Im Zeitvergleich wurde dabei eine steigende Engagementquote von 34 Prozent (1999) auf 44 Prozent (2014) festgestellt. 46 Prozent der befragten Männer und 42 Prozent der Frauen engagieren sich freiwillig in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern. Unter den 14- bis 64-Jährigen sind es 45-46 Prozent, während sich die Älteren zu etwa einem Drittel (34 Prozent) betätigen. Sport und Bewegung liegen mit 16 Prozent an der Spitze der Engagementfelder, gefolgt von Schule oder Kindergarten, Kultur und Musik, dem sozialen Bereich sowie kirchlich-religiösem Aktivitäten (mit je 8 bis 9 Prozent). Zu über zwei Drittel findet dieses Engagement im Rahmen von Vereinen und Verbänden oder der Kirche statt. Bei den Gründen, die freiwilliges Engagement aus Sicht der Befragten verhindern, stehen zeitliche Gründe mit 76 Prozent an der Spitze, gefolgt von beruflichen und familiären Gründen (51 bzw. 32 Prozent). Etwa jeder dritte Befragte möchte keine Verpflichtungen eingehen.

Für gut 25.000 Befragte konnte unter Nutzung der Siedlungsstrukturellen Kreistypen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vergleichend untersucht werden, ob und inwiefern sich freiwilliges Engagement zwischen ländlichen und städtischen Regionen unterscheidet. Als „städtische Regionen“ gelten kreisfreie Großstädte und städtische Kreise, zu den „ländlichen Regionen“ zählen „ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen“ und „dünn besiedelte ländliche Kreise“.

Mehr zum Deutschen Freiwilligen Survey 2014