Kirchliches Amateurmusizieren

Bild: Wilko Gulden

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) hat ein neues Themenportal zur Kirchenmusik online gestellt, das umfassende Informationen zu allen Bereichen der Kirchenmusik bietet. Neben den Schwerpunkten Musik im Gottesdienst, Geistliche Musik im Konzert, einem Portrait der Orgel und einem Ausblick auf Musik in anderen Religionen stehen professionelle Kirchenmusiker und das kirchliche Amateurmusizieren im Fokus. Denn schon in der Bibel heißt es: "Redet untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen“ (Eph. 5,19). Dementsprechend sei jeder Christ je nach seinen individuellen Kräften und Möglichkeiten zum Musizieren aufgerufen und die Musik in den christlichen Kirchen ihrem Ursprung nach Amateurmusizieren, schreibt der Autor des Artikels, Christfried Brödel.

Das kirchliche Amateurmusizieren ist für das kirchliche und kulturelle Leben von herausragender Bedeutung. So sind besonders in ländlich geprägten Gegenden die Aktivitäten des kirchlichen Amateurmusizierens vielfach die einzigen kulturellen Höhepunkte. Auch die breite Bekanntheit des kirchenmusikalischen Repertoires wie beispielsweise die Messen von Mozart, die Passionen und das Weihnachtsoratorium von Bach beruht zu einem großen Teil auf dem kirchlichen Amateurmusizieren.

Kirchliches Amatermusizieren ist vielfältig und zahlenmäßig im Gegensatz zum allgemeinen Mitgliederschwund der letzten Jahre in den beiden Kirchen relativ stabil: Rund 913.000 Menschen aller Altersklassen engagieren sich hier derzeit als Sänger oder Instrumentalisten, davon über 500.000 auf evangelischer und knapp 400.000 auf katholischer Seite. Zusammen bilden sie damit etwa ein Drittel aller aktiven Amateurmusikerinnen und -musiker in Deutschland, soweit sie in den kirchlichen und weltlichen Verbänden erfasst sind.

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens ist musikalisch am stärksten engagiert. Gründe dafür sieht der Autor in der besonderen Bedeutung, die lutherische Kirchen der Kirchenmusik beimessen, außerdem im Bestehen volkskirchlicher Strukturen im Erzgebirge und schließlich in den zahlreich vorhandenen Posaunenchören. Nicht zuletzt stammen viele bedeutende Kirchenmusiker aus dem sächsisch-thüringischen Raum; ihr Erbe wird nach wie vor gepflegt. Württemberg hat in den westlichen Bundesländern die am stärksten entwickelte kirchenmusikalische Struktur.

Derzeit musizieren über 160.000 Mitglieder in rund 15.000 kirchlichen Instrumentalensembles. Darunter finden sich Blockflötenkreise, Glockenchöre, Streich- und Sinfonieorchester. Eine besondere Form des kirchlichen Amateurmusizierens stellen die Posaunenchöre in der evangelischen Kirche dar.

"Durch das Laienmusizieren wirken die Kirchen am stärksten in die Gesellschaft hinein. Diese Brückenfunktion zu pflegen und zu stärken, ist eine wichtige kulturelle Aufgabe. Jede Förderung des kirchlichen Laienmusizierens bedeutet daher eine Vervielfachung der Wirkung der eingesetzten Mittel, zumal die Kirchen die wichtigste Ressource, die anleitenden Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, finanzieren und die Angebote in den Gemeinden kostenlos zur Verfügung stellen. Dementsprechend ist die Arbeit mit Laien ein wesentlicher Bestandteil der Tätigkeit hauptamtlicher Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker," resümiert Christfried Brödel.