Dialogforum "Provinziell? Kulturelle Bildung im ländlichen Raum"

v.l.: Prof. Dr. Ulrich Klemm, Dr. Kenneth Anders, Susanne Führer, Prof. Dr. Wiltrud Gieseke, Prof. Christian Höppner

Beim 11. Dialogforum des Deutschen Kulturrats ging es um die Herausforderungen, vor denen die ländlichen Räume angesichts von demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen stehen. Gibt es ein Stadt-Land Gefälle oder haben alle den gleichen Zugang zu Kultur? Die Diskussionsrunde wurde von Susanne Führer von Deutschlandfunk Kultur moderiert, wo man sie am  im Podcast nachhören kann.

Prof. Dr. Wiltrud Gieseke, Seniorprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin, erklärte, dass es den klassischen ländlichen Raum gar nicht mehr gebe.

Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Prof. Christian Höppner, ergänzte: "Absolut divers - von der Kulturwüste bis zur blühenden Landschaft findet man alles! Da ist ein Hunger nach nonvirtueller Betätigung und kultureller Selbsterfahrung und da spielen insbesondere die Vereine und Spielmannszüge eine ganz große Rolle. 14 Millionen Menschen in Deutschland musizieren in ihrer Freizeit, ein Großteil davon im ländlichen Raum. Förderprogramme wie "Kultur macht stark" sind ein Türöffner, aber wir brauchen Verstetigung, wir brauchen mehr Infrastruktur, damit jedes Kind und auch ältere Menschen Zugang zur Kultur haben. Dafür ist eine klügere Politik von Nöten! "

Prof. Dr. Ulrich Klemm, Geschäftsführer des Sächsischen Volkshochschuleverbands, bestätigte die entscheidende Rolle der Vereine. "Die Menschen müssen sich zusammen tun." Er führte aus, dass aufgrund der anderen demografischen Strukturen (weniger und eher ältere Menschen) die Bedarfe und Angebote anders seien als in den Städten. Seiner Erfahrung nach ist raus und auf die Leute zugehen erfolgreicher, als abzuwarten, dass jemand in die Institutionen kommt. Entscheidend sei es allerdings, an den regionalen Sozialräumen orientiert zu fördern, nicht nach dem Gießkannenprinzip.

Dr. Kenneth Anders, Programmleiter "Oderbruch Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur" und Leiter des dazugehörigen "TRAFO"-Projekts, vertrat die Auffassung, dass man auch die Vorteile des ländlichen Raums sehen müsse. Kultur soll und kann seiner Meinung nach dazu beitragen, den eigenen Raum als Gestaltungsraum zu nutzen.