Kent Nagano zum Musikleben in Deutschland

Er gilt als einer der herausragenden Dirigenten unserer Zeit. Anlässlich der vor kurzem erschienenen Publikation Musical Life in Germany äußerte äußerte sich der gebürtige Amerikaner in einem Interview mit dem Deutschen Musikinformationszentrumüber über das Musikleben in Deutschland.

"Ich glaube fest daran und bin auch überzeugt davon, dass die Erfahrungen des "Selber-Musik-Machens" die beste Voraussetzung dafür sind, die uns überlieferte Musik aus den vergangenen Jahrhunderten zu verstehen, gerne zu hören und schätzen zu lernen. Es geht darum, das "Komponieren" zu begreifen, d.h. im entsprechenden Tun zu erleben, was "Komponieren" ist und bedeutet; es geht darum, im Akt des Komponierens oder eben auch dann in dessen Nachvollzug zu erleben, was da geschieht, indem aus Tonfolgen Melodien entstehen, indem sich harmonische Komplexe bilden, aus denen wiederum Formverläufe entwickelt werden. Das gleiche gilt übrigens auch für die vielfältigen Stilistiken der populären Musik.

"Man hat den Eindruck, dass die Frage nach dem Sinn der Kunst und der künstlerischen Arbeit in Deutschland sehr ernst genommen wird“, berichtet Nagano aus seinen Erfahrungen als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und ehemaliger Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. „In Deutschland sind die Traditionen spürbar und werden in einer Breite gepflegt, wie das einzigartig in der Welt ist. Für jeden Musiker ist es etwas Großartiges, in Deutschland arbeiten und wirken zu können.“

Anders als in den USA, wo das Musikleben aufgrund der starken Abhängigkeit von privaten Geldgebern gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise in große Existenznöte geraten sei, biete die öffentliche Kulturfinanzierung in Deutschland eine größere Sicherheit in der künstlerischen Produktion, erläutert Nagano, wenngleich diese natürlich keine Garantie dafür sei, dass die Kultur unberührt bliebe von wirtschaftlichen Problemen. „In Deutschland sind auch Aktivitäten möglich, die dort, wo die Finanzierung von Kultur auf privates Engagement gestellt ist, gar nicht denkbar sind. Das ist ein großes Plus, das ich in Deutschland erlebt habe und erlebe."

Lesen Sie das vollständige Interview unter http://www.miz.org/interview_kent-nagano.html